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Fasergewinnung

  • Sabine Karg

摘要

Der Bast bildet als Leitungsgewebe von Bäumen zwischen Holz und Borke lange parallele Zellstrukturen aus, die als Fasern genutzt werden können. Solche pflanzlichen Fasern dienten bereits in der Steinzeit zur Herstellung von feinen Fäden, Schnüren und Seilen, aus denen wiederum Tragevorrichtungen wie Netze, Beutel, Taschen, Halterungen für Gefäße, Siebe und Gewebe wie Matten und Kleidungsstücke und vieles mehr angefertigt wurden (Karg 2022a). Archäologische Funde belegen, dass Baumbast der Eiche vor mehr als 8500 Jahren sogar verwoben wurde (Rast-Eicher et al. 2021). Aus der ca. 10.000 Jahre alten mesolithischen Fundstelle Friesack im brandenburgischen Havelland gibt es Netzfragmente, deren Fäden aus dem Bast von Weiden gefertigt wurden (Körber-Grohne 1995) (Abb. 39.1). Baumbast von Linden und Eichen fand häufig für die Herstellung von Schuhen und Hüten in den neolithischen Seeufersiedlungen im Alpenvorland Verwendung. Wie die Faserbestimmung an zahlreichen archäologischen Geflecht- und Gewebefunden zeigt, bildete Baumbast durch alle Zeitepochen hinweg die allerwichtigste Rohstoffquelle. Verfügbarkeit und Qualität der einzelnen Baumarten spielten eine wichtige Rolle. So weisen Bastfasern je nach Baumart eine unterschiedliche Länge und Qualität auf. Die Linde, deren Bast lange, feine und sehr stabile Fasern hat, stand in Mitteleuropa ab dem frühen Atlantikum (ca. 7500 v. Chr.). als Rohstofflieferant zur Verfügung (Karg 2022a) (Abb. 39.2). Altdorfer (2010, 86) vermutet für neolithische Feuchtbodensiedlungen am Südrand des Pfäffikersees in der Schweiz eine bereits planmäßige Waldwirtschaft, in der Linden für die Bastgewinnung schon im 4. Jahrtausend v. Chr. gepflegt worden sind.