Nieder- und Mittelwaldwirtschaft
摘要
Ein Urwald besteht aus unterschiedlichen Holzarten unterschiedlicher Altersklassen und hat verschiedene Stockwerke. Dabei überwiegen nach Flächendeckung meist wenige alte, hohe Bäume, nach Anzahl zahlreiche junge, niedrige oder mittelhohe. Urwald ist für den Menschen nur schwer nutzbar. Deshalb begann man schon früh, den Wald durch geeignete Maßnahmen zu verändern, sodass ein besser nutzbarer Wirtschaftswald entstand. Die einfachste Maßnahme ist das Abschlagen oder Abbrennen unerwünschter Bäume. Auch gezielte Maßnahmen des Waldmanagements zur Förderung fruchttragender Gehölze wie Hasel oder Apfelbaum gab es möglicherweise schon in der Steinzeit, doch sind sie schwer nachweisbar. In der Jungsteinzeit entwickelte sich aus dem wiederholten Abschlaggen von Gehölzbeständen die Niederwaldwirtschaft, die auch mit landwirtschaftlicher Zwischennutzung nach dem Einschlag verknüpft wurde (Wald-Feldbau). Durch Niederwaldwirtschaft entsteht ein Niederwald. Seine Bäume sind keine aus Samen entstandenen Kernwüchse, sondern haben sich aus bodennahen Knospen der Wurzelstöcke gefällter Bäume entwickelt. Bei allen Laubhölzern wie auch bei der Eibe überleben nämlich die Wurzelstöcke das Fällen des Baums und regenerieren aus bodennahen Knospen einen meist mehrstämmigen neuen Baum mit buschartigem Wuchs. Da der Bestand schon voll bewurzelt ist, ist der Holzzuwachs eines solchen Niederwalds anfangs wesentlich höher als bei einem gepflanzten Bestand. Das machte man sich ab der Bronzezeit und noch in der frühen Neuzeit vor allem in Bergbau- und frühen Industrierevieren zunutze. Dort wurde der Rohstoff knapp, und zur Erzeugung von Holzkohle oder Brennholz ist die Qualität des schwachen Niederwaldholzes ausreichend. Die Umtriebszeit des Niederwalds betrug je nach Wüchsigkeit des Bestands 15 bis 30 Jahre (Abb. 20.1). Noch in historischer Zeit wurde die Niederwaldwirtschaft oft mit ackerbaulicher Zwischennutzung verknüpft, und es wurde auch Eichenlohe geerntet. Aufgrund der unterschiedlichen Fähigkeit der Holzarten, mit dem regelmäßigen Kahlschlag zurechtzukommen, kommt es zu einer Selektion: Hasel, Hainbuche, Linde sowie lichtbedürftige Pioniere wie Salweide, Zitterpappel, Birke werden gefördert, Buche und Eiche gehemmt. Die Tanne verschwindet ganz. Im Pollenniederschlag wird das noch deutlicher, weil die Pioniere und die meisten Stockausschlagfreudigen auch früh mannbar werden: Bei Umtriebszeiten unter 25 Jahren kommen Buche und Eiche nicht mehr zur Blüte. Niederwaldwirtschaft wird heute nur noch auf weniger als 1 % der deutschen Waldfläche betrieben.