Trotz erheblichen Leidensdruckes konsultieren nur ca. 20 % der Betroffenen bis zum 35. Lebensjahr wegen der Kopfschmerzen einen Arzt. Das Wissen über Kopfschmerzerkrankungen, ihre Entstehung und Behandlung ist in der Bevölkerung gering. Informationen über Behandlungsmöglichkeiten werden in erster Linie aus dem Familien- und Bekanntenkreis übermittelt. Die medikamentöse Behandlung von Kopfschmerzen mit Non-Opioidanalgetika ist die am häufigsten eingesetzte Selbstbehandlung. Die Apotheke ist die erste und häufigste Anlaufstelle für die professionelle Beratung von Kopfschmerzpatienten. Vorbeugung und Behandlung von Kopfschmerzen ohne Medikamente besitzen vorrangigen Stellenwert. Dazu gehören Kenntnisse über die Entstehung von Kopfschmerzen, die Identifizierung und die Vermeidung von individuellen Auslösefaktoren sowie die Kenntnis von nichtmedikamentösen Behandlungsstrategien. Die Gestaltung der Lebensführung zur Vermeidung von Auslösesituationen (Einhalten eines gleichmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus, Ernährung etc.) und das Führen eines Kopfschmerzkalenders sollten ebenfalls bekannt sein. Das regelmäßige Üben des Entspannungstrainings „Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson“ und regelmäßiger, leichter Ausdauersport kann die Kopfschmerzproblematik reduzieren helfen. Die Beratung von Kopfschmerzpatienten in der Apotheke ist für eine sichere und effektive Therapie von zentraler Bedeutung. Eine adäquate Beratung kann zu einer deutlichen Reduktion der Behinderung durch Kopfschmerzerkrankungen führen. Eine mangelhafte Information und daraus resultierendes Fehlverhalten, z.B. tägliche Einnahme von Analgetika, können dagegen das Kopfschmerzleiden verschlimmern und zu einer extremen Behinderung durch die Kopfschmerzen beitragen. Langfristig kann eine fehlerhafte Selbstmedikation gravierende und sogar lebenslimitierende Komplikationen bedingen. Dieses Kapitel gibt detailliert Informationen zur Selbstmedikation bei Kopfschmerzerkrankungen. Sie sollen Entscheidungsgrundlagen für die Beratungssituation in der Apotheke geben.

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Selbstmedikation bei Migräne und Kopfschmerz vom Spannungstyp

  • Hartmut Göbel

摘要

Trotz erheblichen Leidensdruckes konsultieren nur ca. 20 % der Betroffenen bis zum 35. Lebensjahr wegen der Kopfschmerzen einen Arzt. Das Wissen über Kopfschmerzerkrankungen, ihre Entstehung und Behandlung ist in der Bevölkerung gering. Informationen über Behandlungsmöglichkeiten werden in erster Linie aus dem Familien- und Bekanntenkreis übermittelt. Die medikamentöse Behandlung von Kopfschmerzen mit Non-Opioidanalgetika ist die am häufigsten eingesetzte Selbstbehandlung. Die Apotheke ist die erste und häufigste Anlaufstelle für die professionelle Beratung von Kopfschmerzpatienten. Vorbeugung und Behandlung von Kopfschmerzen ohne Medikamente besitzen vorrangigen Stellenwert. Dazu gehören Kenntnisse über die Entstehung von Kopfschmerzen, die Identifizierung und die Vermeidung von individuellen Auslösefaktoren sowie die Kenntnis von nichtmedikamentösen Behandlungsstrategien. Die Gestaltung der Lebensführung zur Vermeidung von Auslösesituationen (Einhalten eines gleichmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus, Ernährung etc.) und das Führen eines Kopfschmerzkalenders sollten ebenfalls bekannt sein. Das regelmäßige Üben des Entspannungstrainings „Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson“ und regelmäßiger, leichter Ausdauersport kann die Kopfschmerzproblematik reduzieren helfen. Die Beratung von Kopfschmerzpatienten in der Apotheke ist für eine sichere und effektive Therapie von zentraler Bedeutung. Eine adäquate Beratung kann zu einer deutlichen Reduktion der Behinderung durch Kopfschmerzerkrankungen führen. Eine mangelhafte Information und daraus resultierendes Fehlverhalten, z.B. tägliche Einnahme von Analgetika, können dagegen das Kopfschmerzleiden verschlimmern und zu einer extremen Behinderung durch die Kopfschmerzen beitragen. Langfristig kann eine fehlerhafte Selbstmedikation gravierende und sogar lebenslimitierende Komplikationen bedingen. Dieses Kapitel gibt detailliert Informationen zur Selbstmedikation bei Kopfschmerzerkrankungen. Sie sollen Entscheidungsgrundlagen für die Beratungssituation in der Apotheke geben.