Epidemiologie von Kopfschmerzen
摘要
Internationale epidemiologische Studien zu Migräne und Kopfschmerzen weisen große Unterschiede in der Methodik und den Definitionen auf. Eine präzise Anwendung der internationalen Kopfschmerzklassifikation ermöglicht eine sehr sensitive Erfassung der verschiedenen Kopfschmerzformen und muss aus methodischen Gründen zu umfassenden Prävalenzraten führen. Rechnet man die Ergebnisse der repräsentativen Daten zur Lebenszeitprävalenz von Kopfschmerzen in Deutschland auf die gesamte deutsche Bevölkerung hoch, kommt man in Deutschland auf ca. 54 Millionen Menschen, die an anfallsweise auftretenden oder chronischen Kopfschmerzen leiden. Schätzungsweise 21 Millionen Menschen, die in ihrem Leben an Kopfschmerzen vom Typ der Migräne leiden, erdulden diese im Mittel an ca. 34 Tagen pro Jahr. Etwa 29 Millionen Menschen sind von Kopfschmerz vom Spannungstyp betroffen. Im Mittel bestehen diese Kopfschmerzen an 35 Tagen pro Jahr. Hochgerechnet ca. 2,3 Millionen Menschen müssen diese Kopfschmerzform an mehr als 180 Tagen pro Jahr erdulden. Bei ca. 4,3 Millionen weiteren Menschen bestehen andere Kopfschmerzformen. Eine leitliniengerechte Behandlung ist die Ausnahme. Vorbeugende Behandlungen werden kaum umgesetzt. Folge können Chronifizierung und Progression sein. Weitere Komplikationen schließen Angsterkrankungen und Depressionen ein. Neben dem hohen individuellen Leidensdruck führt dies zu hohen direkten und indirekten Kosten. Die Zahlen belegen, dass die neurologischen Erkrankungen Migräne und Kopfschmerz vom Spannungstyp bedeutsame Gesundheitsprobleme unserer Zeit sind. Eine verstärkte Information und Aufklärung der Bevölkerung über spezifische Verhaltensmaßnahmen bei Kopfschmerzen, ähnlich wie bei anderen Volkserkrankungen, ist daher geboten. Voraussetzung hierfür sind allerdings die Intensivierung der Behandlung des Themenkreises Kopfschmerz in Aus-, Weiter- und Fortbildung sowie insbesondere ein systematischer Ausbau der Kopfschmerzforschung.