Das travelling memory in der Flucht- Kinder- und Jugendliteratur – Fazit und Ausblick
摘要
Einleitend wurde konstatiert, dass die Berücksichtigung migrantischer Erinnerungsfiguren in den Erinnerungskulturen zu den derzeitigen Herausforderungen gehört. Anhaltende Fluchtbewegungen aus dem Nahen Osten, Afrika oder der Ukraine erfordern zur Umstrukturierung bisher national ausgerichteter Erinnerungskulturen, um an Erinnerungsprozessen partizipieren zu können. Aus diesem Grund forderte Aleida Assmann bereits 2013 in ihrer Schrift Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur eine „selbstkritische Diskussion über die Standortbestimmung und Entwicklungsdynamik der deutschen Erinnerungskultur“ (A. Assmann 2013, 12). Dieser Forderung nahm sich die vorliegende Studie am Beispiel der Untersuchung der topografischen und erinnerungskulturellen Darstellungen der Flucht in der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur an. Im Vordergrund standen zwei historische Fluchtphasen: die Flucht während des Nationalsozialismus (1933–1945) und die Flucht aus der DDR (1957–1989). Am Beispiel dieser zeithistorischen Fluchtbewegungen konnte gezeigt werden, dass Flucht kein gegenwärtiges Phänomen ist, das seit 2015 als Flüchtlingskrise bezeichnet wird, sondern die „unfreiwillige, massenhafte Bewegung Teil einer geographisch erweiterten Gewaltgeschichte“ (A. Assmann 2020, 77) ist. Die Flucht ist demnach keine „nachlaufende nahe Vergangenheit“ (Sabrow 2012, 16), sondern eine anhaltende globale Migrationsgeschichte, wie es sich im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin oder die in der Einleitung vorgestellten Kinderromane von Alan Gratz andeutet.