Von Exklusivität und Exklusion. Zum jüdischen Berlin in Gabriele Tergits Effingers
摘要
Der Aufsatz untersucht das jüdische Berlin in Gabriele Tergits Roman Effingers (1951) als literarische und kulturelle jüdische Topografie, d.h. nicht nur hinsichtlich dessen Darstellung im Sinne einer der Historiografie verpflichteten literarischen Repräsentation kultureller Raumkonfigurationen, sondern dessen genuiner performativer Hervorbringung im literarischen Medium. In Effingers zeigen sich Mechanismen von Exklusivität und Exklusion, die das literarische jüdische Berlin erst als solches in seiner mindestens die erste Romanhälfte dominierenden Selbstverständlichkeit konstituieren und dem oft proklamierten chronistischen (Selbst-)Anspruch Tergits entgegenlaufen, indem beispielsweise ‚Ostjüdisches‘ wie ‚Religiöses‘ an den (Text-)Rand treten. Tergit erschreibt also nicht etwa das jüdische Berlin von 1878 bis 1948, sondern zeigt die literarische Modellierung und den Zerfall eines jüdischen Berlins der liberalen, assimilierten, großbürgerlichen Jüdinnen*Juden insbesondere im jüdischen Tiergartenviertel.