„Rätsel dieses fremden Erdteils“: Gabriele Tergits kleine Form im Nachkrieg oder der stereoskopische Blick des Londoner Exils
摘要
Der Beitrag beschäftigt sich mit einer bisher vernachlässigten Textform im Werk Gabriele Tergits: der kleinen Form im Nachkrieg. Der Artikel untersucht bisher weitgehend ungesichtete Feuilletons und Essays aus dem Marbacher Nachlass sowie aus unterschiedlichen Zeitungsarchiven (Neue Zeitung, Tagesspiegel sowie AJR Information). Leitend ist der theoretische Gedanke – im Anschluss u.a. an Walter Benjamin – eines stereoskopischen Blicks in den Arbeiten Tergits seit ihrer Emigration ins englische Exil. Mit diesem Begriffsbild soll nicht nur die Empfindungswelt der Exilierten, ihr Herausgefallensein aus der Lebenswelt, ihr anderes Zeitbewusstsein, beschrieben werden, sondern auch eine urbane Doppeloptik zwischen Berlin und London. Diese laufende Überblendung wird einerseits an Tergits Nachkriegsminiaturen aufgezeigt; andererseits wird hier die These einer der Exilerfahrung eigenen Mentalitätskomparatistik entwickelt. Zuletzt liefert der Beitrag einen Ausblick auf einige Produktionswidrigkeiten, die für Tergits Londoner Lage typisch sind; beschrieben wird das ‚bittere Brot‘ des Schreibens im Exil.