„Ein vernünftiges, sprühend geistvolles Männerland“: Gabriele Tergits „Buch über England“
摘要
In ihrem unveröffentlichten „Buch über England“ aus der Frühphase ihres Exils in London versucht Gabriele Tergit eine an ein nachkriegsdeutsches Publikum gerichtete Darstellung der zentralen politischen, soziologischen und kulturellen Charakteristika ihres Exillandes. Dabei zeigt sich ihr didaktischer Impetus, durch die indirekte Gegenüberstellung von England und Deutschland zur demokratischen Re-Education im besetzten Deutschland beizutragen – wie auch ihre große Loyalität ihrem Exilland gegenüber. Während Tergits „Buch über England“ einerseits als seltener deutschsprachiger Beitrag zur britischen Tradition des national character writing gelesen werden kann, scheinen ihre Analysen – wie viele ihrer Texte aus der Nachkriegszeit – implizit von der Frage „Warum, wieso, weshalb Hitler?“ motiviert zu sein. Tergits „Buch über England“ lässt sich als Gattungs- oder Schreibweisenexperiment verstehen, in dem sie zu erörtern versucht, weshalb es in England eben nicht zu einer faschistischen Massenbewegung kam, und dies letztendlich kulturhistorisch auf Unterschiede im Umgang mit dem Erbe der klassischen Antike rückführt.