„Von einem Apfelbaum im Paradies“? Zur Apfelsymbolik in Ferdinand von Schirachs Kurzgeschichtenband Verbrechen
摘要
Den elf Kurzgeschichten in Ferdinand von Schirachs Band Verbrechen (2009) ist eines gemein: In jeder Erzählung kommt ein Apfel als Symbol vor, das die Texte leitmotivisch miteinander verbindet. Von dieser Beobachtung ausgehend, stellt der Beitrag die Frage nach der Bedeutung und Funktion des Apfelsymbols in den Stories. Im Zentrum steht dabei die Analyse der Texte Fähner und Grün, die beide eine Vielzahl von Bezügen auf die biblische Sündenfallerzählung sowie christliche Symbolik aufweisen. Diese erlauben es, den Apfel zunächst in biblisch-christlicher Tradition als Symbol für Verführung, Tod und Sünde zu deuten. Im letzten Drittel des Kurzgeschichtenbandes wird dieser Zusammenhang allerdings infrage gestellt und damit auf einen Widerspruch zwischen Bibeltext und Stories hingewiesen. Schirachs Kurzgeschichten und die Sündenfallerzählung unterscheiden sich dahingehend, wie normwidriges Verhalten beurteilt wird: Anders als der Bibeltext, in dem Menschen schuldig gesprochen und bestraft werden, rechtfertigen die Kurzgeschichten Delinquenz und ergreifen für den Verbrecher Partei. Eine einsinnig christliche Deutung des Apfelsymbols wird Schirachs Stories daher nicht gerecht, weswegen die Frucht vielmehr als Zeichen eines widersprüchlichen Verhältnisses zur biblischen Tradition zu verstehen ist.