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Schirach liest Kleist. Spuren einer dichterjuristischen Wahlverwandtschaft

  • Thomas Nehrlich

摘要

Im intertextuellen Gewebe der Texte Ferdinand von Schirachs spielt Heinrich von Kleist eine besondere Rolle. Motive und Stoffe aus Kleists Werken sowie Anspielungen auf seine Biographie finden sich in zahlreichen Prosastücken und Dramen Schirachs. Eine thematische Nähe ergibt sich vor allem aus der Auseinandersetzung mit Rechtsfällen und -fragen, beide Autoren gehören der Tradition der Juristendichtung an. Auch poetologisch gibt es Ähnlichkeiten, etwa im Gattungsspektrum und in der Tendenz zur kleinen Form. In Hinsicht auf den Stil gibt es allerdings auch große Abweichungen zwischen Kleists komplexem Periodenbau und Schirachs Lakonie. Der Suizid, für den Kleist über sein Werk hinaus bekannt geworden ist, hat für Schirach als psychologisches Motiv große Bedeutung, literarisch wie biographisch. Der vorliegende Beitrag zeichnet die impliziten und expliziten Bezüge zwischen Kleist und Schirach nach, bis hin zu externen Zuschreibungen der Literaturkritik und der Kulturförderung.