Evidenz des Faktischen? Bemerkungen zum Erzählverfahren in Ferdinand von Schirachs Stories
摘要
Der vorliegende Aufsatz untersucht die Erzählverfahren Ferdinand von Schirachs und lotet das Spannungsfeld zwischen paratextuell erzeugter Faktualität und erzählter Fiktion aus. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass die Fallgeschichten ein Desiderat der juristischen Praxis bearbeiten: Sie zeigen, dass juristische Fälle nie ganz in den Regeln aufgehen, die sie entscheiden. Schirachs Stories erzählen eine andere Geschichte als die, die man im Gerichtssaal hört. Mit diesen Erzählungen schließt er an die Fallgeschichtsschreibung der Spätaufklärung an. Er schreibt ein Projekt fort, das von August Gottlieb Meißner mit den in den Skizzen (1778–1796) veröffentlichten Kriminalanekdoten seinen Anfang nahm und das sich zur Aufgabe gemacht hatte, den Menschen in seiner Ganzheit zu erforschen.