Zur Darstellung der Sterbehilfe-Diskurse in Ferdinand von Schirachs Gott
摘要
Ferdinand von Schirach lässt in seinem Theaterstück Gott die Zuschauer:innen darüber abstimmen, ob es richtig ist, dass der kerngesunde Richard Gärtner sich mit ärztlicher Hilfe töten darf. In Gestalt einer Ethikratssitzung werden ihnen die Argumente pro und contra hauptsächlich in Form von Rede und Gegenrede präsentiert. Diese vermeintlich ausgewogene Grundlage für eine selbständige, unvoreingenommene Meinungsbildung wird durch Mittel der Publikumslenkung jedoch unterlaufen: Zum einen zielt der Fall des verwitweten Protagnisten auf die Affizierung der Zuschauer:innen, indem sein existenzielles Leiden ihr Mitleid evozieren und vor der Folie des Liebestodmotivs ihr Verständnis wecken soll; zum anderen werden diejenigen Figuren, die sich seinem Sterbeverlangen widersetzen, in derart anmaßender Manier gezeichnet, dass die Rezipierenden sich mehrheitlich von ihnen abgrenzen und sich mit Gärtners Anliegen solidarisieren.