Dilemmata der Moralphilosophie als öffentlich-rechtliches Fernsehspiel. Zu Ferdinand von Schirachs Feinde
摘要
Ausgehend vom Erfolg der Texte Schirachs fragt der Beitrag nach deren Stellenwert und Breitenwirkung. Beides begünstigt die Verhandlung klassischer Dilemmata der Moralphilosophie, etwa im Theaterstück und späteren Fernsehfilm Terror, in öffentlich-aufklärerischer Absicht. Die Frage der Würde des Menschen ist darin zentral – und auch Grundlage der Staatsräson gemäß den Verfassungsprinzipien. Doch die Verhandlung vor Gericht zeigt die Unlösbarkeit der Konfliktlage auf. Das Filmprojekt Feinde überbietet diesen Impuls, in der Gesellschaft kritisch-problematisierend wirken zu wollen: als öffentlich-rechtliches Fernsehspiel. Was darf ein Rechtsstaat – und wo liegen seine Grenzen? Die Antworten, die der aus zwei Perspektiven inszenierte Doppel-Film Feinde darauf gibt, erweisen sich als wenig offen – und allzu stark determiniert. Die intendierte Mehrperspektivität wird nicht erreicht, anders als in kleinen Prosastücken, die Schirach vorgelegt hat – und die transmedial vergleichend herangezogen werden.