Material
摘要
Der Begriff des Materials ist vielleicht nicht der offensichtlichste Kandidat als Ansatzpunkt für eine Theorie, die sich diesseits von Kunst und Künsten situiert und sowohl Beharrungskräfte als auch Überschreitungsbewegungen zu denken erlaubt. Er kann sehr verschiedene Fassungen annehmen, von der Vorstellung eines widerstandslosen Stoffes, der sich dem gestaltenden Zugriff fügt, über die Betonung gerade seiner Widerständigkeit bis zu starken Begriffen, die von einer eigenen Bestimmtheit des Materials ausgehen. Im letzteren Fall liegt wiederum eine große Bandbreite zwischen der Idee der Materialgerechtigkeit, wie sie sich in der Arts&Crafts-Bewegung und bei Adolf Loos formuliert findet, der Adornoschen Vorstellung einer Eigenlogik des Materials und neovitalistischen Materiebegriffen, die im Kontext neuerer Materialismen und Realismen entwickelt wurden. Es ist nicht mein Ziel, hier eine Diskussion all dieser Begriffe von Materie und Material zu versuchen. Stattdessen möchte ich an denjenigen Begriff des künstlerischen Materials anschließen, der bis heute am klarsten und differenziertesten ausgearbeitet ist: denjenigen Adornos. Material in diesem Sinne darf nicht mit Materialität verwechselt werden, und die Assoziationen des Zugrundeliegenden, des Widerständigen und Festen, die sich mit dem Materialitätsbegriff verbinden, sind bei Adorno zwar nicht abwesend, spielen aber eine ganz andere Rolle. Am weitesten ist hier die Verbindung von Materialität mit Körperlichkeit entfernt, die zwar für Adorno höchst bedeutsam ist, seinen Begriff des künstlerischen Materials aber kaum informiert.