Sind die kami übersetzbar? – Überlegungen zu Jan Assmanns ‚Kosmotheismus‘ und dem politischen Shintō der Neuzeit und Moderne
摘要
Jan Assmann postuliert eine grundlegende Übersetzbarkeit polytheistischer Gottheiten, welche es den antiken Polytheismen ermöglicht haben soll, als ‚Techniken der Übersetzung‘ zwischen verschiedenen Kulturen zu fungieren. Der vorliegende Beitrag unterzieht Jan Assmanns Thesen anhand einer Untersuchung des Shintō, der polytheistischen Religion Japans, einer kritischen Überprüfung. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf dem Buddhismus, der im vormodernen Asien eine Vermittlerrolle zwischen verschiedenen regionalen Polytheismen übernahm, sowie der Nutzbarmachung des Shintō zur Legitimation japanischer Kolonialherrschaft über Korea in der Moderne. Der Beitrag kommt zu dem Ergebnis, dass interreligiöse Übersetzungsprozesse im Fall Japans stets in hierarchische Machtstrukturen eingebettet waren und plädiert für eine Benutzung des von Jason Josephson geprägten Begriffs der ‚hierarchischen Inklusion‘, um diese Machtdynamiken sichtbar zu machen.