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Der eine und die vielen Götter. Religionspolitische Diskurse in Japan und Europa um 1800 (und heute)

  • Michael Mandelartz

摘要

Von der Aufklärung bis zu Jan Assmanns ‚Monotheismusthese‘ wird über die Gewaltaffinität von Mono- bzw. Polytheismus diskutiert. Die Analyse japanischer Mythen und Rituale bestätigt zunächst, dass polytheistische Religionen realitätszugewandter sind als monotheistische, deren transzendente Götter keine konkreten Verhältnisse repräsentieren und insofern den gegensätzlichsten interessegeleiteten Interpretationen und der Gewalt offenstehen. Im 18. Jahrhundert wandte sich allerdings in Japan die ‚nationale Schule‘ vermittels philologischer Rekonstruktion ‚nationaler‘ Texte gegen China wie die deutsche Romantik gegen Frankreich. Dafür musste die lokale Verankerung des Shintō weitgehend aufgehoben werden. Der so entstandene Nationalismus weist trotz seiner polytheistischen Grundlage weitgehende Übereinstimmungen mit dem Grundlagentext des deutschen Nationalismus auf, Fichtes Reden an die deutsche Nation. – Religiöse Gewalt ist politische Gewalt; Religionen, mono- wie polytheistische, werden politisch instrumentalisiert. Das gelingt so weit, wie sie aus ihrer lokalen, eben nicht nationalen Verankerung herausgelöst werden können.