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Polymythie und Monomythie um 1800 – und welche Schlüsse man daraus vielleicht ziehen könnte: für Kunst, Kultur, Gesellschaft und Politik

  • Wolfgang Braungart

摘要

Über die Bedeutung aufklärerischer Religions- und Mythologiekritik wird am Ende des 18. Jahrhunderts intensiv diskutiert. Schillers Gedicht Die Götter Griechenlands z. B. feiert die Buntheit und Vielfalt der Götterwelt Griechenlands gegenüber dem christlichen Monotheismus, der sie verdrängt habe. Die Aufgabe, lebendige Vielgestalt zu bewahren und so den ‚Monotheismus aufgeklärter Vernunft‘ zu korrigieren, dabei aber doch einen neuen Zusammenhang der Gesellschaft zu stiften, wird um 1800 der Kunst übertragen. Hier zeigt sich ein Problem, das grundlegend bleibt für Religion, Kultur, Gesellschaft und Politik in der Moderne: das der Einheit in der Vielfalt, der Vielfalt in der Einheit. Das aber ist zentrales Axiom klassischer Kunsttheorie um 1800 und ein wesentlicher Grund dafür, warum dem Kunstwerk ein so hoher symbolischer Rang für Gesellschaft, Bildung und Kultur zugesprochen werden konnte. – Der Aufsatz will zeigen, dass es hier nicht nur um ein historisches Problem bürgerlich-westlicher Gesellschaft geht, sondern ebenso um ein systematisches, das anthropologisch weitreichende Geltung beanspruchen kann.