Einleitung: Religion in Japan. Einführende Darstellung und religionssoziologische Überlegungen zu ihrer Aktualität
摘要
Die Krisen der letzten Jahrzehnte haben zu einem intensiven Diskurs über Religion als Medium des gesellschaftlichen Zusammenhalts geführt, wobei der Schwerpunkt auf dem Verhältnis der monotheistischen Religionen untereinander liegt. Gegenüber den weitgespannten Religionssoziologien Max Webers und Émile Durkheims bleibt der Horizont relativ beschränkt. Es gibt jedoch gute Gründe, die polytheistischen Religionen, insbesondere den japanischen Shintō, einzubeziehen, denn nur in Japan gelang die Transformation zu einer demokratischen Industriegesellschaft ohne vorherige Kolonisierung unter Beibehaltung der polytheistischen Tradition. Der japanische Polytheismus begegnet dem westlichen Monotheismus auf Augenhöhe und vermag daher eher als andere festverwurzelte Urteile zu korrigieren. – Einer einführenden Darstellung des Verhältnisses von Religion und Politik in Japan folgt mit Blick auf die japanische Religiosität ein Durchgang durch die Religionssoziologien Webers und Durkheims sowie die Religionsanthropologien Walter Burkerts und René Girards. Dabei werden einige ihrer Ergebnisse in Frage gestellt und überraschende Perspektiven auf das Verhältnis von Religion und Gesellschaft eröffnet.