Analytische Zugänge zu Übersetzungen: Genderspezifisch
摘要
Die Ausbildung der Feminist Translation Studies führte seit den 1990er-Jahren zur Erforschung der Übersetzungstätigkeit von Frauen und zur Suche nach (proto-)feministischen Spuren in der Vergangenheit. Methodisch zu unterscheiden sind frauengeschichtliche Studien und genderspezifische Analysen, die nach dem literarischen Konstruktionscharakter von Geschlecht fragen. Anknüpfend an die performative Dimension der Gender Theorie Butlers untersuchen sie, wie Konzepte von Männlichkeit und Weiblichkeit in Übersetzungsverfahren neu konfiguriert werden. Der Artikel gibt einen Überblick über theoriegeschichtliche Entwicklungen und stellt Untersuchungsfelder der Frühneuzeitforschung vor, die Geschlecht als analytische Leitkategorie nutzen. Das Beispiel der Sappho-Vita in Heinrich Steinhöwels „Von den erlauchten Frauen“ veranschaulicht, wie in der deutschen Übersetzung von Giovanni Boccaccios „De claris mulieribus“ zielkulturelle Gendernormierungen vorgenommen werden.