Klopstock oder Wieland? Literaturgeschichtliche und ästhetische Aspekte ihrer Diskursivierung zu Antipoden um 1780
摘要
Klopstocks Messias, dessen erste Gesamtausgabe 1780/1781 erscheint, und WielandsWieland, Christoph Martin Oberon (1780) sind Werke völlig unterschiedlicher literarischer Praktiken. Das liegt nach einem ersten Blick auf der Hand: hexametrische Bibeldichtung auf der einen, komische Ritter- und Liebesdichtung in Stanzen auf der anderen Seite. Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, worin genau die Inkommensurabilität der Ästhetiken liegt, nach deren Grundsätzen die beiden Versdichtungen ihre Wirkung entfalten, und worin sie sich bei aller Unterschiedlichkeit doch auch gleichen. Dazu werden zunächst zwei Diskursformationen im literarischen Feld um 1780 rekapituliert, die beide Autoren zu ästhetischen Antipoden gemacht haben. Diese Diskursformationen – die Diskussionen über Friedrichs des GroßenFriedrich II., König von Preußen (Friedrich der Große) De la littérature allemande und der Literaturstreit des Göttinger Hainbundes gegen WielandWieland, Christoph Martin – formieren in der Polemik der Positionen Grundsatzvorstellungen über ‚Nationalästhetiken‘ französischer, englischer und deutscher Literatur, die auch einen frame für die Diskursivierung Klopstocks und WielandsWieland, Christoph Martin zu Antipoden bilden. Solche ‚Nationalästhetiken‘ werden nicht zuletzt dadurch gegeneinander abgegrenzt, wie (vermeintlich) und in welchem Umfang sie jeweils die ‚klassische‘ griechische und römische Antike rezipieren respektive inwieweit sie dazu fähig seien. In einem zweiten Teil wird untersucht, welche ästhetischen Grundsätze dem Oberon auf der einen Seite und dem Messias auf der anderen zugrunde liegen. Beide Versdichtungen artikulieren auf sehr unterschiedliche Weise, wie die Gattungstradition des antiken Epos den ästhetischen Erfordernissen der Zeit um 1780 angemessen erneuert und fortgeführt werden kann. Ein Epilog zur Einschätzung des jeweils anderen Werkes durch WielandWieland, Christoph Martin und Klopstock am Ende des 18. Jahrhunderts beendet den Beitrag.