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Neurowissenschaft und Menschenbild

  • Brigitte Falkenburg

摘要

Die öffentliche Diskussion um die Hirnforschung hat sich mittlerweile beruhigt, doch die Frage, wie sie sich auf unser Menschenbild auswirkt, bleibt bestehen. Wir sind in unseren kognitiven Fähigkeiten stärker biologisch bedingt, als es die philosophische Tradition von Platon und Aristoteles über Descartes bis heute wahrhaben wollte. Die Hirnforschung lehrt uns neue, neurobiologisch bedingte Einschränkungen unserer Freiheit, und damit modifiziert sie unser Menschenbild. Doch sie nötigt uns nicht dazu, unser Selbstverständnis als freie, moralische, intelligente Wesen grundsätzlich aufzugeben: So weit unterscheidet sich mein Fazit zum „Mythos Determinismus“ nicht von der ersten Auflage dieses Buchs. Darüber hinaus skizziert das Schlusskapitel, was nach zwanzig Jahren von den großen Versprechungen des Manifests der Hirnforschung von 2004 übriggeblieben ist; was der heutige Stand der Erklärung des Bewusstseins aus dem Gehirngeschehen heraus ist; und wie es mittlerweile um Vereinheitlichung, Reduktion und neurowissenschaftliche Erklärung steht. Auch greife ich einige zentrale Einwände gegen meine Argumentation bezüglich der Grenzen der neurowissenschaftlichen Erklärung auf. Die philosophische Diskussion um die Tragweite der Hirnforschung krankt allerdings nach wie vor daran, dass ihre Methoden und Grenzen nicht wissenschaftstheoretisch diskutiert werden. Solange sich dies sich nicht ändert, um – im Kant-Jahr! …und darüber hinaus – die Grenzen unserer Naturerkenntnis auszuloten, wird die Debatte um Gehirn und Geist in den traditionellen philosophischen Alternativen verfangen bleiben.