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Was erklärt uns die Hirnforschung?

  • Brigitte Falkenburg

摘要

Zusammenfassend ergibt sich: Die top-down-Ansätze und bottom-up-Erklärungen der Hirnforschung sind erheblich schwächer als ihre Vorbilder aus der Physik. Sie knüpfen nur lose kausale Verbindungen vom Gehirn zum Geist, vom neuronalen Geschehen zu den kognitiven Leistungen, und von hochgradig vernetzten Neuronen zum Bewusstsein. Nirgends liegt eine so weitgehende Erklärung aus tieferliegenden Ebenen vor wie z. B. im Materiemodell der Atom-, Kern- und Teilchenphysik. Es bleiben gravierende Wissens- und Erklärungslücken, bis hin zum ungelösten „Bindungsproblem“, das auf die Frage hinausläuft, wie das Feuern von Milliarden komplex vernetzter Neurone Bewusstsein hervorbringen kann, und von dem manche vermuten, dass es kein gut gestelltes Problem ist. Angesichts dieser Grenzen der neurowissenschaftlichen Erklärung bietet sich nun folgende Auflösung für das Trilemma aus dem ersten Kapitel an: Die erlebte Verschiedenheit von mentalen und physischen Phänomenen und die Annahme, dass mentale Entschlüsse physische Wirkungen hervorrufen können, sind phänomenologisch gut begründet und empirisch nicht widerlegt. Sie fallen zu lassen wäre unklug, denn sie haben einen anderen epistemischen Status als das Kausalprinzip, wenn man es im Sinne einer kausalen Geschlossenheit der Natur versteht. Die These der kausalen Geschlossenheit der Welt ist eine metaphysische Behauptung mit unklarem Sinn. Für diese These sprechen nur die alten mechanistischen Überzeugungen, die im Determinismus der frühen Neuzeit wurzeln. Sie zu verabschieden bedeutet eine Rückkehr zu Kant, der das Kausalprinzip schwächer versteht – als unverzichtbare methodologische Regel der Naturforschung Diese Abschwächung setzt nicht der Hirnforschung Grenzen, aber dem metaphysischen Glauben, alles in der Welt ließe sich vollständig erklären.