Ursachen und was sie erklären
摘要
Der neuronale Determinismus behauptet, dass die neuronalen Aktivitäten des Gehirns unsere mentalen Leistungen determinieren, insofern alles, was wir bewusst erleben und entscheiden, durch das Gehirngeschehen verursacht ist. Diese These lädt dem Kausalbegriff eine große metaphysische Bürde auf. Doch was kann der Kausalbegriff hier überhaupt leisten? Die philosophische Debatte um die Hirnforschung wird dadurch erschwert, dass der Kausalbegriff weder in der Philosophie noch in der Physik ein klares Konzept ist. Die Philosophen verlangten von der Kausalität entweder zu viel (Rationalismus) oder zu wenig (Empirismus): Verknüpfungen mit strikter Notwendigkeit – oder bloße Regelmäßigkeiten, die auch zufällig sein könnten. Kant fand die erstere Kausalitätsauffassung zu stark und die letztere zu schwach. Er schlug darum eine erkenntnistheoretische Version vor, nach der das Kausalprinzip zwar allgemeingültig ist, aber keine Tatsachenbehauptung darstellt, sondern ein methodologisches Prinzip. – Aus heutiger Sicht ist die Kausalität ein vorwissenschaftliches Konzept, das mittels der Gesetze der Physik nicht einheitlich präzisiert werden kann. Die neuronalen Mechanismen der Hirnforschung sind nur kausal-mechanistisch in einem schwachen, probabilistischen Sinn; sie haben stochastische Grundlagen, die ein idealisiertes Computer-Modell des Gehirngeschehens unterfüttern. Dazu kommt ein weitergehender Analogieschluss von den Rechenprozessen im Computer auf die kognitiven Leistungen des Gehirns, der auf dem Brückenbegriff „Information“ beruht. Dabei handelt es sich dann allerdings nicht mehr um eine mechanistische Erklärung im Sinne der analytisch-synthetischen Methoden der Naturwissenschaften.