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Das Rätsel Zeit

  • Brigitte Falkenburg

摘要

Dieses Kapitel wendet sich nun den bottom-up-Erklärungsansprüchen der kognitiven Neurowissenschaft zu, für die das Zeitbewusstsein zentral ist. Unser Bewusstsein steht wesentlich unter zeitlichen Bedingungen. Worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, ist gegenwärtig; was unser Erinnerungsvermögen speichert, ist vergangen; worauf sich unsere Hoffnungen, Wünsche, Pläne und Absichten richten, ist zukünftig. Diese Zeitstruktur ist fundamental für unser subjektives Erleben und sie liegt unseren Handlungen zugrunde. Wer das subjektive Erleben „naturalisieren“ und auf das neuronale Geschehen reduzieren will, muss naturwissenschaftlich erklären können, wie unser Zeitbewusstsein strukturiert ist. Eine naturalistische Sicht des Bewusstseins verlangt, dass sich das subjektive Zeiterleben auf die objektive Zeit der Physik zurückführen lässt. Aber inwieweit gelingt es, die erlebte Zeitstruktur bottom-up vom Gehirngeschehen, von der Abfolge der neuronalen Prozesse her zu erklären? Die subjektive, erlebte und die objektive, physikalische Zeit stehen nebeneinander, ohne dass einer dieser beiden Zeitbegriffe auf den anderen reduzierbar wäre; und keiner dieser beiden Zeitbegriffe ist in sich einheitlich. Der physikalische Zeitpfeil bleibt bis heute rätselhaft. Die Irreversibilität thermodynamischer Prozesse lässt sich nicht durch andere physikalische Gesetze begründen. Sie ist unvereinbar mit der Annahme eines deterministischen Naturgeschehens – diese lässt sich nur durch die metaphysische Annahme eines „zeitlosen“ Block-Universums retten. Und so findet die Irreversibilität unseres Zeiterlebens keine physikalistische Erklärung, die nicht immer schon auf unsere Kenntnis der Zeitrichtung baut.