„Glaube niemals, was sie erzählt“
摘要
Manipulativer Sprachgebrauch und das Spiel mit medialen Inszenierungen führen in Juli Zehs Psychothriller Nullzeit auf der Handlungsebene zu einer existentiellen Verunsicherung und zu einer ständigen Verschiebung der Täter-Opfer-Konstellation. Die narrativen Strukturen produzieren sich potenzierende Spiegelungen, die zu unheimlichen Verdoppelungseffekten führen und für die Figuren einen fortschreitenden Kontrollverlust über das eigene Gedächtnis und die eigene Sprache zur Folge haben. Der Beitrag fokussiert die sprachliche Gestaltung von Unsicherheit, die sich insbesondere aus den zwei Erzählperspektiven entwickelt und zu immer stärker divergierenden Versionen des Geschehens führt. Die erzählerische Unzuverlässigkeit wird dabei für den Spannungsaufbau funktionalisiert und trägt dazu bei, die latente Bedrohung des postmodernen Subjekts auf die Missinterpretation und die Verunsicherung kommunikativer Zeichensysteme und damit auf Sprache und Erzählen selbst zu projizieren.