Grundlagen: Das primäre Lymphödem umfasst ein breites Spektrum an genetisch bedingten, angeborenen Erkrankungen des Lymphgefäßsystems. Infolge einer genetisch verursachten Fehlentwicklung oder Fehlfunktion des Lymphgefäßsystems kommt es zur Akkumulation von Flüssigkeit im Gewebe und somit zur Ausbildung eines Ödems. Am häufigsten wird eine periphere Manifestation des primären Lymphödems, vor allem im Bereich der unteren Extremität, beobachtet. Es kann jedoch auch zu systemischen Manifestationen wie z. B. intestinale und pleurale Lymphangiektasien, Aszites, Chylothorax, Pleura- und Perikarderguss oder – während der Schwangerschaft – auch zum Hydrops fetalis kommen. Kategorien: Das klinische Erscheinungsbild und das Ausmaß des Lymphödems unterscheiden sich entsprechend dem ursächlichen Gen und der zugrunde liegenden Genveränderung. Erkrankungen, die mit einem primären Lymphödem assoziiert sind, werden in zwei Kategorien unterteilt: 1. Erkrankungen, die auf keiner Keimbahnveränderung, sondern auf einem somatischen Mosaik beruhen und mit einer segmentalen Wachstumsstörung assoziiert sind (einschließlich Überwuchssyndrome), 2. das typische Lymphödem, das auf Keimbahnveränderungen beruht, und in vier Untergruppen einzuteilen ist: a) syndromale Krankheitsbilder, b) Erkrankungen, bei denen eine systemische Beteiligung vorliegt, c) kongenitale Erkrankungsformen und d) nach dem 1. Lebensjahr auftretende (sog. „late-onset“) Erkrankungen. Molekulargenetische Diagnostik: Eine zielgerichtete genetische Diagnostik erfolgt auf Basis der klinischen Präsentation des Patienten sowie der Einordnung in eine der Kategorien und Untergruppen. Initial wird in der Regel mit einer konventionellen zytogenetischen Untersuchung (Chromosomenanalyse) sowie einer molekularzytogenetischen Methode (Array-CGH) begonnen. Im Anschluss kann eine molekulargenetische Diagnostik im Rahmen von Einzelgenanalysen, Gen-Panel-Untersuchungen oder Exom- sowie Ganzgenomsequenzierung erfolgen. Hierdurch können genetische Varianten oder Mutationen identifiziert werden, die als kausal für die vorliegende Symptomatik betrachtet werden können. Fazit: Durch eine humangenetische Beratung, Anamnese und zielgerichtete genetische Diagnostik ist es möglich, Aussagen über den Erbgang, das Wiederholungsrisiko sowie mögliche Begleitsymptome zu treffen. Oftmals ist es nur auf diesem Wege möglich das genaue Krankheitsbild und die damit assoziierte genetische Veränderung zu diagnostizieren.

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Primäre Lymphödeme bei Kindern und Jugendlichen: Genetik und Diagnostik

  • René Hägerling,
  • Magdalena Danyel,
  • Sarina Schwartzmann,
  • Claus-Eric Ott

摘要

Grundlagen: Das primäre Lymphödem umfasst ein breites Spektrum an genetisch bedingten, angeborenen Erkrankungen des Lymphgefäßsystems. Infolge einer genetisch verursachten Fehlentwicklung oder Fehlfunktion des Lymphgefäßsystems kommt es zur Akkumulation von Flüssigkeit im Gewebe und somit zur Ausbildung eines Ödems. Am häufigsten wird eine periphere Manifestation des primären Lymphödems, vor allem im Bereich der unteren Extremität, beobachtet. Es kann jedoch auch zu systemischen Manifestationen wie z. B. intestinale und pleurale Lymphangiektasien, Aszites, Chylothorax, Pleura- und Perikarderguss oder – während der Schwangerschaft – auch zum Hydrops fetalis kommen. Kategorien: Das klinische Erscheinungsbild und das Ausmaß des Lymphödems unterscheiden sich entsprechend dem ursächlichen Gen und der zugrunde liegenden Genveränderung. Erkrankungen, die mit einem primären Lymphödem assoziiert sind, werden in zwei Kategorien unterteilt: 1. Erkrankungen, die auf keiner Keimbahnveränderung, sondern auf einem somatischen Mosaik beruhen und mit einer segmentalen Wachstumsstörung assoziiert sind (einschließlich Überwuchssyndrome), 2. das typische Lymphödem, das auf Keimbahnveränderungen beruht, und in vier Untergruppen einzuteilen ist: a) syndromale Krankheitsbilder, b) Erkrankungen, bei denen eine systemische Beteiligung vorliegt, c) kongenitale Erkrankungsformen und d) nach dem 1. Lebensjahr auftretende (sog. „late-onset“) Erkrankungen. Molekulargenetische Diagnostik: Eine zielgerichtete genetische Diagnostik erfolgt auf Basis der klinischen Präsentation des Patienten sowie der Einordnung in eine der Kategorien und Untergruppen. Initial wird in der Regel mit einer konventionellen zytogenetischen Untersuchung (Chromosomenanalyse) sowie einer molekularzytogenetischen Methode (Array-CGH) begonnen. Im Anschluss kann eine molekulargenetische Diagnostik im Rahmen von Einzelgenanalysen, Gen-Panel-Untersuchungen oder Exom- sowie Ganzgenomsequenzierung erfolgen. Hierdurch können genetische Varianten oder Mutationen identifiziert werden, die als kausal für die vorliegende Symptomatik betrachtet werden können. Fazit: Durch eine humangenetische Beratung, Anamnese und zielgerichtete genetische Diagnostik ist es möglich, Aussagen über den Erbgang, das Wiederholungsrisiko sowie mögliche Begleitsymptome zu treffen. Oftmals ist es nur auf diesem Wege möglich das genaue Krankheitsbild und die damit assoziierte genetische Veränderung zu diagnostizieren.