Willentliche Handlungssteuerung und kognitive Kontrolle
摘要
Willentliche (intentionale) Handlungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht vollständig durch die aktuelle Reizsituation und Bedürfnislage determiniert, sondern auf die Erreichung von mental repräsentierten Zielen gerichtet sind. Die Mechanismen, die uns zu intentionalem, zielgerichtetem Verhalten befähigen, werden unter den Begriffen „kognitive Kontrolle“ bzw. „exekutive Funktionen“ zusammengefasst. Kognitive Kontrolle wird immer dann benötigt, wenn automatisierte Routinehandlungen nicht genügen, um ein Ziel zu erreichen, sondern es dafür notwendig ist, Verhaltensdispositionen auf neue Weise zu konfigurieren, neue Handlungspläne zu generieren, störende Reize auszublenden oder Absichten gegen den Widerstand konkurrierender (automatisierter oder habitueller) Reaktionen durchzusetzen. Dieses Kapitel gibt einen Überblick über ausgewählte Theorien und empirische Ergebnisse der Forschung zur willentlichen Handlungssteuerung und kognitiven Kontrolle, wobei Verhaltensexperimente, neurowissenschaftliche Studien, klinische Untersuchungen hirngeschädigter Personen sowie komputationale Modelle erörtert werden. Abschließend wird auf die Relevanz beeinträchtigter Kontrollprozesse für das Verständnis psychischer Störungen, die Frage, ob kognitive Kontrolle durch Training verbessert werden kann, sowie philosophische Implikationen der Forschung zur kognitiven Kontrolle eingegangen.