Die gesellschaftliche Haltung gegenüber der Pflege. Wie ist die Ambivalenz zwischen Geringschätzung und Hochachtung zu erklären?
摘要
Im Beitrag werden mögliche Ursachen für die ambivalente Haltung der Gesellschaft gegenüber der Pflegeprofession thematisiert. Diese schwankt zwischen Applaus und Geringschätzung. Drei Aspekte werden diskutiert. Erstens wird auf die Geschichte des Pflegeberufs eingegangen und deutlich gemacht, dass die Kategorie des „Dienens“ und „Helfens“ nicht selten mit der Aufgabe von Eigeninteressen verbunden war (und ist). Trotz substanzieller Änderungen macht diese habituelle Prägung den Pflegeberuf mit aus, stellt die Vereinbarkeit von Pflegearbeit und Lebensführung nach wie vor eine zentrale Herausforderung dar. Zweitens werden politische Gesichtspunkte angesprochen, vor allem auf die fehlende Mitwirkung der Pflege in Entscheidungsgremien verwiesen. Das ist ein Grund dafür, warum andere die Agenda des Pflegeberufs bestimmen. Damit verbunden wird auf die arbeits- und berufspolitische Zerrissenheit und Heterogenität der Pflegenden verwiesen, wobei die emotionale Ebene nicht ignoriert wird. Als drittes Erklärungsmerkmal werden gesellschaftlich-kulturelle Entwicklungen in den Blick genommen. Auf der einen Seite steht die Wertschätzung der „produktiven Arbeit“, auf der anderen die Geringschätzung und Abwertung von Care- und Sorgearbeiten (professionell und als Hausarbeit). Die „Lösung“ der Gesamtproblematik gibt es nicht. Am Ende wird aber für eine politische Debatte im Hinblick auf grundlegende Alternativen, eine sozialpolitische Neuorientierung sowie die Institutionalisierung von innovativen Potenzialen durch Lehrpflegeheime geworben.