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Geschlechtsunterschiede

  • Jens B. Asendorpf

摘要

Das Thema der psychologischen Geschlechtsunterschiede ist noch immer stark emotional und ideologisch besetzt. Mitunter wird der Geschlechtsbegriff selbst in Frage gestellt und über die Binarität der Geschlechter heftig gestritten. Auch wenn es Zwischenformen, Überschneidungen und Ähnlichkeiten gibt, identifiziert sich die überwältigende Mehrzahl von Menschen eindeutig als Mann oder Frau (► Abschn. 7.2). Wenn in diesem Kapitel von Jungen und Mädchen bzw. Männern und Frauen gesprochen wird, dann als zwei Prototypen von Menschen, die sich selbst so definieren und sich statistisch gesehen in einer Reihe von Merkmalen qualitativ oder quantitativ unterscheiden (vgl. Bischof-Köhler 2022). Hier geht es um eine nüchterne, wissenschaftliche Betrachtung psychologischer Geschlechtsunterschiede, die ohne Kenntnis ihrer biologischen Grundlagen nicht auskommt: Wie groß sind Geschlechtsunterschiede in welchen Persönlichkeitsmerkmalen in welchem Alter in welchen Kulturen, wie entwickeln sich diese Unterschiede und wie ist ihre Entwicklung zu erklären? Im Gegensatz zu den vorangegangenen Kapiteln wird also die interkulturelle Perspektive mit einbezogen. Es zeigt sich, dass lerntheoretische, kognitive, kulturpsychologische und evolutionspsychologische Erklärungen sich keineswegs ausschließen, sondern sich in ein Rahmenmodell der Entwicklung von Geschlechtsunterschieden integrieren lassen, das mit den vorliegenden empirischen Befunden zu Geschlechtsunterschieden gut vereinbar ist.