Empathie und Prekarität – Praktiken der Interspeziesbegegnung bei Gruen, Cortázar, Rilke und Tawada
摘要
Der Beitrag geht von der Diagnose aus, dass seit einiger Zeit verstärkt Empathie als Praxis in interhumanen und auch in interspezifischen Begegnungen gefordert wird. Für die Kultur- und Literaturwissenschaftler*innen Fritz Breithaupt und Claudia Breger ist die ‚Rückkehr‘ der Empathie ein Indiz dafür, dass der Fokus auf Differenz und Alterität am Beginn des 21. Jahrhunderts der Betonung von Gemeinschaft und Intersubjektivität weiche. Das gilt auch für die Human-Animal Studies, wo vor allem Lori Gruen für eine Praxis der ‚entangled empathy‘ eintritt. Inwiefern Gruens Konzept eine Form anthropozentrischer Empathie darstellt, für die Ähnlichkeit und Reziprozität fundamental sind, wird im Vergleich mit Judith Butlers biozentrischem Kriterium der Prekarität herausgearbeitet. Abschließend werden anhand von Julio Cortázars Erzählung Axolotl, Rainer Maria Rilkes Gedicht Der Panther und Yoko Tawadas Roman Etüden im Schnee fiktionale Narrative der Empathie analysiert, die statt auf Ähnlichkeit auf Fremdheit und Opazität sowie auf Perspektivwechsel und Groteske setzen.