„tweet tweet tweet jug jug jug“ – Vogelgesang und die Inszenierung des Missverstehens in der Naturlyrik
摘要
Die Verwendung tierlicher Laute in der Lyrik gilt oft als Ausdruck einer authentischen Umweltwiedergabe. Im Gegensatz dazu zeigt dieser Beitrag, dass britische Naturlyrik die Unübersetzbarkeit des Vogelgesangs betont. Bereits die Naturlyrik John Clares stellt die ikonische Nachbildung einer soundscape in Frage. In der Gegenwartslyrik greifen Jen Hadfield und Steve Ely diese Verweigerungsstrategien auf, indem sie das Scheitern der Versprachlichung inszenieren. Sie nutzen vor allem Onomatopöie, um den Eindruck einer akustischen Präsenz der Tiere zu unterbrechen. Die lautmalerische Nachahmung tierlicher Kommunikation dient als Metadiskurs über die Grenzen anthropozentrischer Darstellung. Der Ruf der Weidenmeise („zi-zi taah taah“) markiert die Distanz der Vögel. Jeder Mensch-Tier-Interaktion geht damit eine Entkopplung von Sprach- und Lautformen voran. Der Beitrag zeigt, dass Interspezies-Begegnung in der Naturlyrik nur auf der Grundlage von Interspezies-Trennung gelingen kann.