Vom Sammeln und Sehen: Menschen und Vögel in Helen Macdonalds Vesper Flights (2020)
摘要
Der Beitrag fokussiert die 2020 erschienene Essaysammlung Vesper Flights der britischen Autorin Helen Macdonald. Ausgehend von Macdonalds Charakterisierung der Sammlung als literarische Wunderkammer im Vorwort wird untersucht, wie die Texte Praktiken des Sammelns und Sehens erzählerisch verarbeiten und in die eigene Struktur hineintragen. Als zentrales Problem, um das viele der Essays selbstreflexiv kreisen, erweist sich die Ambivalenz zwischen Annäherung und Aneignung, die den hier beschriebenen menschlichen Blick auf Tiere (hier besonders Vögel) unausweichlich prägt. Dabei lässt sich die Sammlung selbst als Ergebnis einer spezifischen Wahrnehmungs- und Schreibpraxis verstehen: Vesper Flights führt vor, dass Literatur nicht nur an der Festschreibung von stereotypisierenden Perspektiven auf ,Tier‘ und ,Natur‘ und deren Vereinnahmung, sondern auch an Versuchen der Perspektivverschiebung, Dezentrierung und Relektüre partizipieren kann. Mit ihrem für das New Nature Writing typischen ökokritischen Impetus lässt sich die Sammlung dabei ebenfalls als Aufforderung zu einer aktiven Praxis des Bewahrens lesen.