Tierpassionen. Humanimale Poetik in der deutschen Gegenwartsliteratur
摘要
Der Artikel widmet sich einer spezifischen Form der Grenzaufhebung zwischen Mensch und Tier, die in der zeitgenössischen deutschen Literatur Konjunktur hat: Mensch und Tier begegnen sich als gleichwertige Akteur*innen auf Augenhöhe, ohne dass deren Differenzen harmonisiert, transformiert oder nivelliert werden. Hierdurch findet sich erstens ein Austauschverhältnis entworfen, innerhalb dessen eine reziproke Selbstaufgabe erprobt werden kann. Zweitens wird eine sakrifizielle Grundstruktur der Mensch-Tier-Begegnung umgestaltet, die gewöhnlich anhand einer religiösen, epistemischen oder poetischen Praktik des Tieropfers einen erweiterten Bereich menschlicher Bedeutungen generiert. Der Artikel leitet diese sakrifizielle Logik literargeschichtlich her und fasst deren Reformierung in der Gegenwartsliteratur unter den Begriff der ‚Tierpassion‘. Literarische Tierpassionen, so das Argument des Artikels, etablieren eine reziprok angelegte Form der Mensch-Tier-Begegnung und damit eine genuin humanimale Poetik.