In Deutschland werden üblicherweise vier unterschiedliche Formen der Sterbehilfe ausgemacht: a) Tötung auf Verlangen; b) assistierter Suizid; c) Symptomlinderung mit potenzieller nicht intendierter Lebenszeitverkürzung; d) Behandlungsabbruch. Als Sonderform der Symptomlinderung wird hier zusätzlich die palliative (bzw. gezielte) Sedierung thematisiert. Darüber hinaus greift die Debatte um Sterbehilfe stellenweise den freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (sogenanntes ‚Sterbefasten‘) auf, obwohl es unterschiedliche Meinungen dazu gibt, ob dieser als eine Form des Suizids zu werten ist. Gleich welche dieser Formen im Einzelnen vorliegt, alle können direkt oder indirekt bzw. beabsichtigt oder in Kauf genommen Einfluss auf den Sterbezeitpunkt nehmen. Sie wirken sich so auf die menschliche Zeitlichkeit aus und erfordern in die Zukunft gerichtetes Entscheiden und Handeln. Der Beitrag gibt einen Überblick über die verschiedenen Formen der Sterbehilfe und stellt einige Ansätze vor, die die Veränderung menschlicher Zeitbezüge im Kontext von Sterbehilfe thematisieren. Besonderen Fokus setzen viele dieser Ansätze auf die Kontrolle über den eigenen Sterbezeitpunkt, wobei die damit einhergehende Verantwortungsverlagerung für ein ‚gelingendes Sterben‘ an das Individuum oft kritisch beleuchtet wird.

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Lebenszeit und Sterbehilfe

  • Laura Mohacsi,
  • Alfred Simon

摘要

In Deutschland werden üblicherweise vier unterschiedliche Formen der Sterbehilfe ausgemacht: a) Tötung auf Verlangen; b) assistierter Suizid; c) Symptomlinderung mit potenzieller nicht intendierter Lebenszeitverkürzung; d) Behandlungsabbruch. Als Sonderform der Symptomlinderung wird hier zusätzlich die palliative (bzw. gezielte) Sedierung thematisiert. Darüber hinaus greift die Debatte um Sterbehilfe stellenweise den freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (sogenanntes ‚Sterbefasten‘) auf, obwohl es unterschiedliche Meinungen dazu gibt, ob dieser als eine Form des Suizids zu werten ist. Gleich welche dieser Formen im Einzelnen vorliegt, alle können direkt oder indirekt bzw. beabsichtigt oder in Kauf genommen Einfluss auf den Sterbezeitpunkt nehmen. Sie wirken sich so auf die menschliche Zeitlichkeit aus und erfordern in die Zukunft gerichtetes Entscheiden und Handeln. Der Beitrag gibt einen Überblick über die verschiedenen Formen der Sterbehilfe und stellt einige Ansätze vor, die die Veränderung menschlicher Zeitbezüge im Kontext von Sterbehilfe thematisieren. Besonderen Fokus setzen viele dieser Ansätze auf die Kontrolle über den eigenen Sterbezeitpunkt, wobei die damit einhergehende Verantwortungsverlagerung für ein ‚gelingendes Sterben‘ an das Individuum oft kritisch beleuchtet wird.