Long- bzw. Post COVID (LC/PC) ist als postviraler Zustand, bei dem eine Reihe von Symptomen über Wochen oder Monate andauern bzw. nachlassen und wiederkehren, auf verschiedenen Ebenen mit Zeitkategorien verbunden. Zeit ist bei LC/PC terminologisch, epistemisch-normativ und phänomenologisch, d. h. in der subjektiven Wahrnehmung von Betroffenen, ein entscheidender Faktor. Der Beitrag zielt darauf ab, am Beispiel von LC/PC den Spannungen zwischen der individuell-erlebten und der medizinisch normierten Zeit nachzuspüren. Anhand von deutschen und britischen Leitlinien zu LC/PC wird zuerst die epistemische Funktion der Zeit als Kriterium für diagnostische Klassifikationen analysiert. Unsicherheiten bei der Anwendung temporaler Kriterien zur genaueren Einordnung und Bewertung von LC/PC-Symptomen führen zum Hinterfragen gängiger zeitbezogener klinischer Begrifflichkeiten. Die Autor*innen von Leitlinien, aber auch Betroffene sind sich der Ambivalenzen und Potenziale einer zeitbasierten Heuristik bewusst. Wie sich die Erfahrung mit z. T. ungeklärten, sich protrahierenden oder intermittierenden Symptomen anfühlt, die die Leistungsfähigkeit im Vergleich zu einer Zeit vor der Erkrankung verlangsamen oder verhindern und die Zeitwahrnehmung ändern, darüber berichten LC/PC-Patient*innen. Mit dem Begriff crip time werden die subjektive Erfahrung einer aus der Norm geratenen Zeit und die beschleunigende Kraft einer durch digitale Vernetzung geteilten Gegenwart begreifbar gemacht.

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Die Zeitdynamiken von LongCOVID

  • Mariacarla Gadebusch Bondio

摘要

Long- bzw. Post COVID (LC/PC) ist als postviraler Zustand, bei dem eine Reihe von Symptomen über Wochen oder Monate andauern bzw. nachlassen und wiederkehren, auf verschiedenen Ebenen mit Zeitkategorien verbunden. Zeit ist bei LC/PC terminologisch, epistemisch-normativ und phänomenologisch, d. h. in der subjektiven Wahrnehmung von Betroffenen, ein entscheidender Faktor. Der Beitrag zielt darauf ab, am Beispiel von LC/PC den Spannungen zwischen der individuell-erlebten und der medizinisch normierten Zeit nachzuspüren. Anhand von deutschen und britischen Leitlinien zu LC/PC wird zuerst die epistemische Funktion der Zeit als Kriterium für diagnostische Klassifikationen analysiert. Unsicherheiten bei der Anwendung temporaler Kriterien zur genaueren Einordnung und Bewertung von LC/PC-Symptomen führen zum Hinterfragen gängiger zeitbezogener klinischer Begrifflichkeiten. Die Autor*innen von Leitlinien, aber auch Betroffene sind sich der Ambivalenzen und Potenziale einer zeitbasierten Heuristik bewusst. Wie sich die Erfahrung mit z. T. ungeklärten, sich protrahierenden oder intermittierenden Symptomen anfühlt, die die Leistungsfähigkeit im Vergleich zu einer Zeit vor der Erkrankung verlangsamen oder verhindern und die Zeitwahrnehmung ändern, darüber berichten LC/PC-Patient*innen. Mit dem Begriff crip time werden die subjektive Erfahrung einer aus der Norm geratenen Zeit und die beschleunigende Kraft einer durch digitale Vernetzung geteilten Gegenwart begreifbar gemacht.