Die Ungewissheit über den Zeitpunkt und die Art des als unvermeidlich bewussten Todes ist seit jeher ein zentraler Aspekt der conditio humana gewesen. Diese für perspektivische Lebensentscheidungen eigentlich geradezu notwendige open future ist durch die Entwicklung von Verfahren zur Frühdiagnose lebenslimitierender Erkrankungen wie Malignome und AIDS, in den letzten Jahren potenziert durch prädiktive genetische Diagnostik, für nicht wenige Menschen außer Kraft gesetzt worden. Zwischen den traditionellen Daseinskategorien von Gesundheit und Krankheit etabliert sich immer stärker ein Status des ‚Noch-nicht-Krankseins‘. Die Folgeerscheinungen eines solchen Status für die zeitliche Gestaltung guten Lebens werden aus der Perspektive der klinischen Genetik an Beispielen neurodegenerativer Erkrankungen und familiärer Tumordispositionen, sowie aus dem Kontext von Kinderwunsch und Reproduktionsmedizin beleuchtet.

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Genetische Diagnostik und die Bemessung von Lebenszeit

  • Wolfram Henn

摘要

Die Ungewissheit über den Zeitpunkt und die Art des als unvermeidlich bewussten Todes ist seit jeher ein zentraler Aspekt der conditio humana gewesen. Diese für perspektivische Lebensentscheidungen eigentlich geradezu notwendige open future ist durch die Entwicklung von Verfahren zur Frühdiagnose lebenslimitierender Erkrankungen wie Malignome und AIDS, in den letzten Jahren potenziert durch prädiktive genetische Diagnostik, für nicht wenige Menschen außer Kraft gesetzt worden. Zwischen den traditionellen Daseinskategorien von Gesundheit und Krankheit etabliert sich immer stärker ein Status des ‚Noch-nicht-Krankseins‘. Die Folgeerscheinungen eines solchen Status für die zeitliche Gestaltung guten Lebens werden aus der Perspektive der klinischen Genetik an Beispielen neurodegenerativer Erkrankungen und familiärer Tumordispositionen, sowie aus dem Kontext von Kinderwunsch und Reproduktionsmedizin beleuchtet.