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Fortpflanzung, Medizin und Zeiterleben

  • Claudia Wiesemann

摘要

Sich fortzupflanzen und eine Familie zu gründen wird üblicherweise als ein wesentlicher Aspekt guten Lebens verstanden. Fortpflanzung ist zugleich ein eminent sozialer Akt, mit dem enge, zeitlich überdauernde menschliche Beziehungen (Genealogien) geschaffen werden. Damit gehen implizite oder explizite normative Vorstellungen von angemessener Zeitlichkeit einher. Zeit als lineare Zeit, als „rechter Moment“, als Phasen und Grenzen, als irreversible und antizipierte oder als disruptive Zeit prägt den Verlauf des – im besten Fall guten – Lebens auf jeweils charakteristische Weise. Indem Fortpflanzungstechniken in den Verlauf der klassischen Normalbiografien von Frauen und Männern eingreifen, vertraute Zeitstrukturen auflösen und eine Vielzahl neuer biografischer Entwürfe nicht nur ermöglichen, sondern gelegentlich auch nahezulegen scheinen, haben sie erheblichen Einfluss auf Vorstellungen eines guten Lebens. Umgekehrt wiederum nehmen solche Vorstellungen Einfluss darauf, welche Techniken als gesellschaftlich akzeptabel erscheinen und nachgefragt werden und in welcher Form sie verfügbar gemacht werden (sollen).