Zeitwahrnehmung
摘要
Der Beitrag stellt richtungsweisende philosophische Konzeptionen menschlicher Zeitwahrnehmung vor. Drei intuitiv nahe liegende Annahmen scheinen in der Analyse der Zeitwahrnehmung schwer vereinbar: (1) Unsere Wahrnehmung besteht ausschließlich aus gegenwärtigen Eindrücken, (2) wir nehmen zeitliche Sukzession und Veränderung direkt wahr, (3) Sukzession involviert mehrere Momente. Wie sind also temporale Strukturen für uns überhaupt erfahrbar? Der Beitrag stellt sogenannte cinematische, retentionale und extensionale Modelle der Zeitwahrnehmung vor, welche diese Frage unterschiedlich beantworten. Weiterhin wird die Idee der qualitativen, nicht numerischen, Verknüpfung von Zeitmomenten als sachdienlicher Ansatz mit einbezogen. Am Beispiel des veränderten Zeiterlebens in der schizophrenen Psychose wird vorgestellt, wie philosophische Zeitwahrnehmungskonzeptionen und die psychiatrische Reflexion von Psychopathologien konstruktiv zusammenspielen können.