Verzerrungen in der Bewertung, Verarbeitung und Weitergabe von Wissen
摘要
Menschen haben evolutionär das Bedürfnis, Kontrolle und Vorhersagbarkeit über sich selbst und ihre Umwelt zu erlangen, um auf absehbare Ereignisse gut vorbereitet zu sein. Der Erwerb von Wissen ist eine Möglichkeit, dieses Bedürfnis zu befriedigen. Das Gefühl von subjektiver Ungewissheit wird deshalb als aversiv erlebt. Evolutionär haben sich aber auch Mechanismen verzerrter Bewertung, Verarbeitung und Weitergabe entwickelt, die eher das subjektive Gefühl von Kontrolle verbessern, als dass sie zu wirklichem Wissen beitragen. Das vorliegende Kapitel befasst sich daher mit Motiven zum Erwerb von verzerrtem Wissen. Es bietet Erklärungen für die Selektion einseitiger oder selbstwertdienlicher Inhalte in der Informationsverarbeitung durch Zwei-Prozess-Theorien. Es werden verzerrte Bewertungen des eigenen Kenntnisstandes dargestellt. Ein weiterer Fokus dieses Kapitels liegt zudem auf der Beschreibung von Effekten bei der Weitergabe von Wissen. Es werden Fehleinschätzungen auch in der Bewertung des Kenntnisstandes von Gesprächspartnern erläutert und auf selbstbeschränkende normative Phänomene der Wissensvermittlung wie dem Hidden Profile bei Gruppenentscheidungen eingegangen.