Philosophie und Physik: Zu Grete Hermanns neukantianischen Interpretation der Quantenmechanik
摘要
Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit Grete Hermanns neukantianischer Interpretation der Quantenmechanik. Im Mittelpunkt stehen ihre Kritik an Johann von Neumanns Beweis der Unmöglichkeit verborgener Parameter sowie ihre Diskussionen mit dem Münsteraner Physiker Adolf Kratzer und dem Mathematiker Paul Bernays über das Messproblem. In der klassischen Mechanik beschreibt der Phasenraum die Menge aller möglichen Zustände eines dynamischen Systems. Wegen der Eindeutigkeit der Lösung der Bewegungsgleichungen kann durch jeden Punkt des Phasenraums nur eine Trajektorie führen. In der Quantenphysik werden Zustände nicht im Phasenraum, sondern durch Vektoren im komplexen Hilbertraum beschrieben. Kanonisch konjugierte Größen sind aufgrund der Unschärferelation nicht gleichzeitig exakt bestimmbar. Grete Hermann griff auf Immanuel Kants transzendentale Erkenntnislehre als Werkzeug und Mittel zurück, um diesen Perspektivenwechsel in der Physik zu interpretieren. Nach Kant richten sich die Gegenstände, sofern wir sie erkennen können, nach der Erkenntnis, d. h. auf ein hypothetisch konstruiertes Objekt. Wir können nur deswegen auf Objekte referieren und diese lokalisieren, weil wir selbst eine Position in Raum und Zeit haben und unter Bezugnahme auf sie Ereignisse bestimmen. Folglich sind beides, die Forderungen nach Wert-Definitheit und Nicht-Kontextualität, ergo Lokalisierbarkeit und Kausalität, nicht gleichzeitig erfüllbar und realisierbar.