Dieses Kapitel ist biographisch orientiert und beschreibt zunächst Leonhard Eulers Eintreffen und das Sesshaft-Werden um dann seinen Lebensverlauf bis zu seinem letzten Tag zu verfolgen. Diese Zeitspanne zeigt den alternden Euler, der mehr und mehr erblindet. Eine Staroperation und ihr Misslingen wird ausführlich erörtert. Schließlich ergreift eine Feuersbrunst auch Eulers Wohnsitz und hätte in dem Durcheinander fast den hilflosen Gelehrten erfasst. Wie bei der Ankunft, wo die Zarin Katharina II. Euler und seine Familie großzügig ausstattete, half sie dem abgebrannten Wissenschaftler auf die Beine. Diese finanzielle Unterstützung war allerdings auch ein Tribut an Eulers europäische Reputation. Ähnlich wie in Berlin hatte er keinen Zugang zum höfischen Parkett, wenn auch die Zarin eine besser gefüllte Börse ihr eigen nannte und daraus Euler und seine Familie generös entlohnte. Euler genoss zweifelsohne das Wohlwollen der Imperatorin, die die Wiederaufrichtung ihrer Akademie wünschte. Allerdings war Eulers Einfluss auf die Neugestaltung der maroden Akademie beschränkt. Da – abgesehen von der Zarin – das Schicksal dieser bürgerlichen Bildungseinrichtung den Adel wenig interessierte, ging es mit Reformen nicht recht voran, denn auch die Beamtenschaft war nicht gerade reformfreudig. Eulers langes Gelehrtenleben war offenbar ausgeglichen und glücklich. Aber das Alter hinterließ auch Spuren: der Tod seiner Frau, der Brand in seinem Haus waren Dinge, die das Leben des erblindeten Euler änderten und eine Neuorientierung bedurften. Es ist bewundernswert, dass dem greisen Euler dies gelang, ohne seine wissenschaftlich Arbeit einzuschränken. Er verfügte über einen starken Willen und einen festen christlichen Glauben, um diesen Widrigkeiten zu widerstehen.

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St. Petersburg 1766–1783

  • Rüdiger Thiele

摘要

Dieses Kapitel ist biographisch orientiert und beschreibt zunächst Leonhard Eulers Eintreffen und das Sesshaft-Werden um dann seinen Lebensverlauf bis zu seinem letzten Tag zu verfolgen. Diese Zeitspanne zeigt den alternden Euler, der mehr und mehr erblindet. Eine Staroperation und ihr Misslingen wird ausführlich erörtert. Schließlich ergreift eine Feuersbrunst auch Eulers Wohnsitz und hätte in dem Durcheinander fast den hilflosen Gelehrten erfasst. Wie bei der Ankunft, wo die Zarin Katharina II. Euler und seine Familie großzügig ausstattete, half sie dem abgebrannten Wissenschaftler auf die Beine. Diese finanzielle Unterstützung war allerdings auch ein Tribut an Eulers europäische Reputation. Ähnlich wie in Berlin hatte er keinen Zugang zum höfischen Parkett, wenn auch die Zarin eine besser gefüllte Börse ihr eigen nannte und daraus Euler und seine Familie generös entlohnte. Euler genoss zweifelsohne das Wohlwollen der Imperatorin, die die Wiederaufrichtung ihrer Akademie wünschte. Allerdings war Eulers Einfluss auf die Neugestaltung der maroden Akademie beschränkt. Da – abgesehen von der Zarin – das Schicksal dieser bürgerlichen Bildungseinrichtung den Adel wenig interessierte, ging es mit Reformen nicht recht voran, denn auch die Beamtenschaft war nicht gerade reformfreudig. Eulers langes Gelehrtenleben war offenbar ausgeglichen und glücklich. Aber das Alter hinterließ auch Spuren: der Tod seiner Frau, der Brand in seinem Haus waren Dinge, die das Leben des erblindeten Euler änderten und eine Neuorientierung bedurften. Es ist bewundernswert, dass dem greisen Euler dies gelang, ohne seine wissenschaftlich Arbeit einzuschränken. Er verfügte über einen starken Willen und einen festen christlichen Glauben, um diesen Widrigkeiten zu widerstehen.