Im Salon: Vergnügen und Schrecken des Erzählens wahrer Verbrechen. E. T. A. Hoffmanns Die Marquise de la Pivardiere im Pitaval-Universum
摘要
True crime-Formate verzichten für den thrill des authentischen Leidens und der Unterhaltung am wahren Schmerz demonstrativ auf die Lizenzen fiktionalen Erzählens. Legitimiert wird diese ethische Zumutung ungefilterter Wahrheit mit der dem Fall zugeschriebenen Exemplarität, die Vergnügen am Grauen mit dem epistemologischen Versprechen kognitiven Lustgewinns verbindet. Diese in aktuellen Diskussionen kontrovers debattierte Zuschreibung von Bedeutsamkeit weist zurück in die Erzähltradition des transnationalen Pitaval-Universums, das im Zeichen der Aufklärung sensationelle Fälle zirkuliert und parallel durch ausufernde Para- und Peritexte die eigene Erzählprogrammatik legitimiert. Der Aufsatz diskutiert, wie E. T. A. Hoffmanns Die Marquise de la Pivardiere diese Zusammenhänge durch die Ergänzung eines fingierten Salongesprächs reflexiv einholt und so den medialen Ort des Erzählens wahrer Fälle vermisst.