Bertolt Brechts Die Maßnahme und Milo Raus Die Zürcher Prozesse im Vergleich – Urteilen zwischen Beobachtung und (Mit-)Spielen
摘要
Zwischen Bertolt Brechts Lehrstück Die Maßnahme und Milo Raus Stück Die Zürcher Prozesse liegen mehr als 80 Jahre und doch weisen beide interessante Parallelen in ihrer Konzeption und ästhetischen Gestaltung auf. Sie sind jeweils dadurch geprägt, dass die Handlung zur Verhandlung wird – der Gerichtsprozess ist umfassendes Gestaltungsprinzip. In dem Beitrag werden beide Stücke vergleichend in den Blick genommen unter der folgenden Fragestellung: Wie wird in ihnen ein Urteilen durch Rezipierende angelegt? Ausgehend von den Besonderheiten der Gattung Lehrstück bei Brecht und Raus Konzeption wird herausgestellt, inwiefern beide jeweils eine stückimmanente Rezipierendenebene aufweisen, die auch auf die Ebene der realen Rezipierenden bedeutsame Auswirkungen hat. Der Beitrag legt dar, wie beide Stücke jeweils diffizile Spannungsfelder zwischen einem Urteilenmüssen und Urteilenkönnen und zugleich -nichtkönnen entwickeln.