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Westliche Philosophiegeschichtsschreibung als Wissens(t)richter: Überlegungen mit Wittgenstein zur akademischen Debatte über den Status der Philosophie in der islamischen Welt

  • Farid Suleiman

摘要

Das Ziel des vorliegenden Artikels ist es, Wittgenstein als eine Inspirationsquelle für eine ethische Neuausrichtung der westlichen Philosophiehistoriographie vorzustellen, die hier mit besonderem Fokus auf ihren Umgang mit der islamischen Philosophiegeschichte problematisiert wird. Dazu werden in einem ersten Schritt die hegemonialen Narrative, die die dominante Philosophiegeschichtsschreibung seit dem 18. Jahrhundert prägen, in den Blick genommen und ihre Verstrickung mit dem (Neo-)Kolonialismus aufgezeigt. Der Artikel argumentiert dafür, dass sich hierin eine ‚Ethik der Beherrschung‘ manifestiert, die in den Tiefenstrukturen der westlichen Epistemologie wurzelt, und daher jeder Versuch einer Überwindung dieser Ethik ebenfalls an diesen Strukturen anzusetzen hat. Oftmals ist es jedoch so, dass (Gegen-)Reaktionen auf hegemoniale Großerzählungen diese in ihrem Kern nicht dekonstruieren, sondern insofern sogar bestätigen, als dass sie auf ihnen satteln. Dieser Umstand wird anhand von drei Fallbeispielen veranschaulicht. Schließlich wird gezeigt, dass Wittgensteins Denken als eine radikale Abkehr von der eben genannten Epistemologie zu betrachten ist, eine Abkehr, die zuallererst ethisch motiviert ist. In diesem Lichte erscheint Wittgenstein als dekolonialer Denker, auch wenn er sich selbst nie als solcher bezeichnet hat. Der Artikel findet seinen Abschluss in einer Besprechung seines Konzepts von der Familienähnlichkeit, das – anders als sonst üblich – nicht in einem methodologischen oder definitionstheoretischem Rahmen analysiert wird, sondern mit Blick auf seine ethischen Implikationen.