Zur Aktualität von Heinrich Heines „Atta Troll“ bei Alfred Döblin, Stefan Heym und Yoko Tawada
摘要
Die immer noch brisante Frage nach den Menschenrechten erscheint besonders geeignet, um damit wieder einmal die Aktualität Heines in den Fokus zu rücken. 1997 hat Sigrid Weigel dieser Frage ihr Referat bei der Düsseldorfer Jubiläumstagung „Aufklärung und Skepsis“ gewidmet und sich unter welthistorischer und religionskritischer Perspektive damit auseinandergesetzt. In diesem Zusammenhang zitiert sie auch „die wohl fundamentalste und umfassendste Definition der Menschenrechte“, die Heine in seinem Fragment gebliebenen Entwurf „Verschiedenartige Geschichtsauffassung“ notiert hat: „Das Leben ist weder Zweck noch Mittel; das Leben ist ein Recht. Das Leben will dieses Recht geltend machen gegen den erstarrenden Tod, gegen die Vergangenheit, und dieses Geltendmachen ist die Revolution.“ (B III, 23) Wenn ich nun, fünfundzwanzig Jahre später, der Frage nach den Menschenrechten am Beispiel von Heines Versepos „Atta Troll“ nachgehe, um damit zugleich die anhaltende Aktualität Heines zu unterstreichen, wird genau diese Bezugnahme auf das Leben im Zentrum stehen: Leben als unveräußerliches Grundrecht, das „gegen die Vergangenheit“ in der und für die Gegenwart Geltung beansprucht; Leben aber auch als Recht, das über die Rechte nur der Menschen hinaus auch für die anderen lebenden Wesen Geltung beansprucht; andererseits ‚Leben‘ in einem mehr als metaphorischen Sinne für das Fort- und Nachleben literarischer Werke: Denn gerade in ihrem Anspruch auf das Recht des Lebens haben sich die Werke Heines als überlebensfähig, aktuell und immer wieder von neuem aktualisierbar erwiesen.