Raphaela Brüggenthies: „Heilge Schwelle“. Der frühe Heine – ein jüdisch-christliches Iterinarium. Göttingen: Wallstein 2022. 464 S. € 39
摘要
Heines Taufe am 28. Juni 1825 in Heiligenstadt, mit der er die Namen Christian Johann Heinrich annahm und zumindest kurzzeitig die Hoffnung verband, damit, wie es in einer undatierten Prosa-Notiz heißt, das „Entre Billet zur Europäischen Kultur“ (DHA X, 313) gelöst und seinen Platz in einer Gesellschaft gefunden zu haben, in der die religiöse Toleranz und die rechtliche Gleich- oder doch Besserstellung der jüdischen Minderheit gerade Rückschritte machte, zählt zu den wesentlichen Einschnitten in der Biographie des Autors. Schon bald musste ihm allerdings klar werden, dass dieser Akt keineswegs einen Abschluss seiner Auseinandersetzung mit seiner religiösen Herkunft und noch weniger das Ende der Akzeptanzprobleme bedeutete, die dem Studenten, angehenden Juristen und aufstrebenden Dichter im Deutschland der Restauration begegneten: „Ich bin jetzt bey Christ u Jude verhaßt. Ich bereue sehr daß ich mich getauft hab; ich seh noch gar nicht ein daß es mir seitdem besser gegangen sey, im Gegentheil“ (HSA XX, 234), schreibt er Anfang 1826 an Moses Moser. Und zwei Jahrzehnte später heißt in den „Denkworten“ auf den Orientalisten Ludwig Marcus über die Taufe jüdischer Konvertiten: „Das ist eitel Wasser und trocknet leicht.“ (DHA XIV, 271)