Gemietet, gekauft, ausgebeutet? Normative Familienbilder in der Diskussion um Leihmutterschaft
摘要
Als Teil der modernen Reproduktionsmedizin greift Leihmutterschaft in Gegebenheiten ein, die sich früher als unverrückbar darstellten. Sie führt damit potentiell zu neuen Konstellationen von Elternschaft, wie etwa, dass eine Frau, die ein Kind zur Welt bringt weder dessen genetische noch soziale Mutter ist. Die Irritationen, die Leihmutterschaft hervorruft, lassen sich mit Blick auf veränderte biologische Sachverhalte und ihre fehlende Deckung mit sozialen Funktionen und Beziehungen allein nicht vollständig erklären. Der Artikel vertritt die These, dass zentrale Einwände gegen Leihmutterschaft, wie beispielsweise die Kritik an einer Verdinglichung und Kommodifizierung von Kind und Leihmutter, aber auch die Sorge vor einer Gefährdung des Kindeswohls, erst vor dem Hintergrund bestimmter historischer und normativer Vorstellungen von Familie und insbesondere von Mutterschaft voll rekonstruiert werden können. Es wird analysiert, wie in diesen normativen Vorstellungen biologische und soziale Sachverhalte in ambivalenter Weise miteinander verwoben sind und wie die Vorstellung einer bürgerlichen Kernfamilie mit Mutterschaftsidealen und Geschlechterverständnissen einhergehen, die die ethischen Diskussionen um Leihmutterschaft auch heute noch mitbestimmen.