„Die ist irgendwie verknallt in mich“. Die homosoziale Begehrensstruktur zwischen Jule und Linda als Beispiel eines queer readings von Unterleuten
摘要
Es zählt zu den gängigen Missverständnissen über die Queer Studies, dass diese sich nur mit explizit als nicht heterosexuell annoncierten Beziehungen und Identitäten auseinandersetzen würden. Tatsächlich soll durch diesen Beitrag deutlich werden, wie queer reading auch für Texte fruchtbar gemacht werden kann, in denen keine explizit homosexuellen Beziehungen auftauchen: Hier, indem gezeigt wird, dass die Frauenfiguren Jule Wieland-Fließ und Linda Franzen im Verlauf des Romans Unterleuten Gefühle füreinander entwickeln, die nicht in der heterosexuellen Ordnung kodiert sind und deshalb in einer standardisierten Textbetrachtung leicht aus dem Blick geraten können. Um dieses handlungsfördernde und identitätsstabilisierende Begehren besser zu fassen, wird auf den Begriff des homosozialen Begehrens rekurriert, der sowohl für die feministische als auch die queere Literaturwissenschaft erschlossen werden kann, um Liebesbeziehungen jenseits der Heteronormativität zu denken und so andere Perspektiven auf Texte zu entwickeln.