Mögliche Welten. Juli Zehs Schilf
摘要
Juli Zehs Schilf erzählt von den Quantenphysikern Sebastian und Oskar, deren unterschiedliche Theorien (Viele-Welten-Theorie vs. Kopenhagener Deutung) symbolisch für ihren jeweiligen Weltzugriff (Vieldeutigkeit vs. Eindeutigkeit) stehen. Der Beitrag zeigt, wie diese scheinbar klar getrennten Positionen sich im Laufe der Handlung einander annähern, und generalisiert dies zu einer fiktionstheoretischen Überlegung: In der Fiktion können Viel- und Eindeutigkeit nebeneinander bestehen. Einerseits ist die Fiktion ein Möglichkeitsraum. Sie stellt Ereignisse, Figuren und Orte dar, die in der Realität nicht existieren, aber existieren könnten. Andererseits reduziert die Fiktion die vielen möglichen Welten auf die eine Welt, die – durch ‚göttlichen‘ (auktorialen) Willen festgelegt – in einem Text dargestellt wird. Die Fiktion bietet also beides: eine offene Welt der Kontingenzen und eine geschlossene Welt der Determination. Für Schilf lässt sich dies sowohl auf der Handlungsebene als auch aus einer Meta-Perspektive auf den Roman nachvollziehen.