Juristendichtung. Zur Poetik von Literatur und Recht am Beispiel von Ferdinand von Schirach und Juli Zeh
摘要
Juli Zeh ist nicht die einzige Juristin der Gegenwart, die große literarische Erfolge feiert. Insbesondere der ehemalige Strafverteidiger Ferdinand von Schirach, der seit 2009 zunächst mit Kurzprosa, später auch mit Dramen und Romanen ein breites Publikum erreicht, bietet sich für einen Vergleich an. Zeh und Schirach stehen in der langen literaturhistorischen Tradition der Juristendichtung. Poetologische Ähnlichkeiten zeigen sich im Gattungsspektrum und in der Wahl von Stoffen, die juristisch-moralische Dilemmata behandeln. Als öffentlichen Intellektuellen ist beiden ein rechts- und gesellschaftspolitisches Engagement gemein, das in zahlreichen publizistischen Beiträgen zum Ausdruck kommt. Deutliche Unterschiede bestehen hingegen in Hinsicht auf die Selbstinszenierung sowie auf den Schreibstil und die sozialen Konstellationen der Texte. Während Zeh in ihren jüngeren Veröffentlichungen die Perspektive des poeta judex hin zum Gesellschaftlich-Soziologischen öffnet, lenkt Schirach, der als Jurist immer vor allem die Rolle des Verteidigers einnimmt und seine Texte als poeta advocatus konzipiert, den Blick vermehrt auf das Persönlich-Biographische. Im Vergleich zwischen Schirach und Zeh offenbart sich die Bandbreite dichterjuristischen Schreibens.